Bastian Barucker in Stuttgart
Erkenntnisse aus den ungeschwärzten RKI-Protokollen
Vortrag und Diskussion mit Bastian Barucker am 18. Februar in Stuttgart
Für Journalist Bastian Barucker war es eine Premiere: Zum ersten Mal sprach er in Baden-Württemberg über die Erkenntnisse und Lehren aus den ungeschwärzten RKI-Protokollen zur Coronapandemie. Wie hoch das Interesse an dieser Zeit weiterhin ist, bewies der gut gefüllte Saal im Bürgerhaus Botnang am 18. Februar.
Barucker stellte gleich zu Beginn seines Vortrags eines klar: „Der Kern der Corona-Aufarbeitung ist nicht fachlich. Fachlich ist alles geklärt.“ Stattdessen gehe es ihm um eine lückenlose politische Aufarbeitung der damaligen Zeit. Politische Entscheidungen müssen kritisch hinterfragt und die Dimension des entstandenen Schadens klar benannt werden. Baruckers Urteil zu den Corona-Schutzmaßnahmen fiel daher wenig überraschend vernichtend aus.
Mit seiner Kritik setzte Barucker sehr früh an. Schon im Frühjahr 2020 äußerte das RKI Zweifel am Bedrohungspotenzial der neuartigen Krankheit, wie es in Politik und Medien dargestellt wurde. Auch mit der regelmäßigen Risikobewertung des Virus stimmte das RKI über weite Strecken nicht überein.
Ebenso übergangen wurde die Einschätzung des RKI zur Maskenbeschaffung und folgenden Maskenpflicht. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass das Tragen einer Maske keinen nennenswerten Einfluss auf die Verbreitung und Gefährlichkeit des Virus habe. Barucker zitiert an dieser Stelle direkt aus den Protokollen: Das RKI hielt die Verwendung von FFP2-Masken durch Laien von Anfang an für ungeeignet. Dennoch wurden die Masken in absurd hoher Stückzahl vom damaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bestellt. Dem Staat entstand dadurch ein horrender finanzieller Schaden.
Das RKI: Eine politisch weisungsgebundene Einrichtung
Immer wieder beleuchtete Barucker in seinem kurzweiligen Vortrag, wie offensichtlich das RKI vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) politisch vereinnahmt wurde. Für den Journalisten liegt dieser Zusammenhang auf der Hand. Immerhin untersteht das RKI dem BMG – ein Zusammenhang, der in der akuten Pandemie selten transparent gemacht wurde und sogar noch im April 2024 vom ehemaligen Gesundheitsminister Lauterbach (SPD) dementiert wurde.
Auch die Impfkampagne bewertete Barucker ausgesprochen kritisch. Beispielsweise waren die Risiken des Vakzins von AstraZeneca dem RKI schon im April 2021 bekannt. Dennoch wandte sich das BMG gegen diese Einschätzung. Die PR-tauglichen Impfungen namhafter Politiker sollten die Sicherheit der Impfstoffe dagegen unterstreichen.
An dieser Sicherheit zweifelt Barucker noch heute: So haben seine Recherchen auch ergeben, dass vom für Impfungen zuständigen Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bis Juni 2023 keine Impfdokumentation bzw. -überwachung betrieben wurde. Hierfür relevante Daten wurden stattdessen erst nach der Markteinführung der Impfstoffe erhoben.
Seinen Vortrag schloss Barucker mit einem Verweis auf Schweden. Dort sei man ohne wissenschaftlich unbegründete Grundrechtseinschränkungen deutlich besser durch die Pandemie gekommen. Auf die Frage aus dem Publikum, wie sich Politiker ein solches Verhalten anmaßen konnten, fand er eine deutliche Antwort: „Die politischen Verfehlungen während der Pandemie rührten daher, dass Menschen denken, sie wüssten am besten, was gut für andere ist.“
Die Aufarbeitung der Coronapandemie hat auch für das BSW oberste Priorität. In Landesparlamenten, in denen das BSW vertreten ist, wird dieses Anliegen mit Nachdruck vorangetrieben. Jessica Tatti, stellvertretende Bundesvorsitzende und Landesvorsitzende in Baden-Württemberg, betonte auch an diesem Abend ausdrücklich: Die Beantragung eines Untersuchungsausschusses zur Coronapolitik steht ganz oben auf der Agenda, sobald das BSW nach einer bundesweiten Neuauszählung in den Bundestag nachgezogen ist.